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Neues Deutschland, 12.05.2003
Alternativer CSD nun auch in Köln. Linke Gruppen kritisieren Kommerzialisierung.
Von Markus Bernhardt, Köln
Wie bereits in den vergangenen Jahren in Berlin, wird es diesjährig auch zum ersten Mal einen alternativen Christopher Street Day (CSD) in Köln geben. Unter dem Motto »Christopher Street Day Für eine freie Wahl der Lebensformen« hat das Kölner Bündnis »Queergestellt« für den 28. Juni einen eigenen Demonstrationszug angemeldet. Die ursprüngliche Bedeutung des CSD war in den vergangenen Jahren immer mehr in den Hintergrund verbannt worden. So waren den Veranstaltern unpolitische Partyzüge scheinbar wichtiger als eine starke Emanzipationsbewegung der Lesben und Schwulen. Dies, obwohl die Geschichte des CSD durchaus von politischer Bedeutung ist. Schließlich hatten sich Lesben, Schwule und Transsexuelle am 28. und 29. Juni als Reaktion auf eine Polizeirazzia in der New Yorker Christopher-Street zum ersten Mal militant gegen staatliche Diskriminierung gewehrt.
So war auch der CSD, wie er Anfang der 90er Jahre in Deutschland zu feiern begonnen wurde, Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. In den Augen des Kölner Bündnis »Queergestellt« wurde der CSD jedoch schnell von kommerziellen Interessen vereinahmt. »Das Streben nach bürgerlicher Anpassung verdrängte die Forderung nach Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen«, kritisiert das Bündnis in seinem Aufruf. So sei der CSD in Köln mittlerweile »zu einem Sprachrohr der Politik der Bundesregierung« verkommen und die »Disziplinierung und Einbindung des schwul-lesbischen Privatlebens ins Staatswesen« sei unter anderem auch über das alljährliche Motto des CSD vorangetrieben worden (»Freie Fahrt für Homo-Ehe«), was der Bevölkerung fälschlicher Weise als Gleichstellung angepriesen worden sei.
Das Kölner Bündnis wie auch das ebenfalls auf dem Gebiet der Gleichstellungspolitik für Homo- und Transsexuelle arbeitend Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (whk) hatten bereits in der Vergangenheit das Gesetz zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen, die so genannte »Homo-Ehe«, als »unsägliches Sondergesetz« bezeichnet und dessen Rücknahme gefordert. Auch die ehemalige familienpolitische Sprecherin der PDS-Bundestagsfraktion, Christina Schenk, hatte sich für eine »wirkliche Gleichstellung aller Lebensformen« stark gemacht und ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gefordert.
Dass emanzipatorischer Widerstand gegen den Rechtsruck der so genannten Schwulenbewegung um den grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, von Nöten ist, zeigte das Verhalten der Veranstalter des Kölner CSD im letzten Jahr: Den Veranstaltern bekannte kritische Journalisten wurden auf Anweisung Becks und der anwesenden Bündnisgrünen um Claudia Roth, Kerstin Müller und Joschka Fischer, von BKA-Beamten unter Androhung von körperlicher Gewalt aus dem Pressebereich verwiesen.
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