Rik August 2003
Gelungen alternativ
Je größer eine Sache wird, gerade wenn sie für viele von großer Bedeutung ist, desto mehr werden unzufrieden damit sein. So auch beim CSD. Was in Berlin schon seit Jahren zum alljährlichen CSD-Ritual gehört, ist seit diesem auch in Köln Realität: zwei verschiedene CSDs.
Queergestellt, Kölns links-alternative Schwulen- und Lesben-Initiative, hatte zum Jahrestag des Stonewall-Aufstandes am 28. Juni zu einer Demo vom Heumarkt quer durch die Kölner Innenstadt bis zum Ehrenfelder Neptunplatz aufgerufen. Und obwohl manche der Veranstalter selbst nicht an eine große Resonanz geglaubt hatten, kamen an die hundert Interessierte, die sich bis zur Schlusskundgebung fast verdreifachten. Reden zu Beginn des Zuges betonten den freien und offenen Charakter und die linke Gesinnung von queergestellt. Ebenso betonte Sprecher Torben, dass selbst innerhalb der Gruppe die politischen Meinungen so verschieden seien, dass man sich nicht auf eine Grundfordeung hätte einigen wollen. Dafür sprachen die Transparente einiger Teilnehmer eine umso deutlichere Sprache. "Keine Sonderrechte für Schwule und Lesben" war da beispielsweise zu lesen. In Anspielung auf die "Homo-Ehe". Laut wurde auch die Forderung nach einem eigenen Rechtsinstitut, dass dort, wo für andere Verantwortung übernommen wird, Sicherheit schafft. Doch zu wichtig nahm man die eigenen Parolen dann doch nicht, so konnten beispielsweise die Teilnehmerinnen des Frauen- und Lesbenreferats noch nicht einmal erklären, was ihr Transparent überhaupt zu bedeuten hatte.
Eigentlich kann man queergestellt für diese etwas andere Kundgebung nur danken. Die lockere und offene Atmosphäre und vor allem die Schlussfeier in Ehrenfeld boten eine willkommene Alternative zum traditionellen CSD, die hoffentlich im nächsten Jahr fortgesetzt wird. Eigentlich, denn die ständig betonte Abgrenzung zum "kommerziellen CSD" erschien auch vielen Teilnehmern übertrieben, gerade wenn während der Demo Madonna aus den Boxen schallte und eine bekannte Kölner Altstadtkneipe in Ehrenfeld Freibier verteilte - ganz ohne Hintergedanken natürlich. Und so lautete das heimliche Motto: "Wir sehen uns dann nächste Woche beim kommerziellen CSD!".
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